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Spritztour in die Elbauen

Die "Lüneburger Heide" bei Hitzacker.
Geduldig verlassen die Reiher ihre Plätze am Elbufer und kehren nach der Schiffspassage zurück. Schiffsverkehr sind sie hier zwischen Hitzacker und Lauenburg kaum gewohnt. Neben ein paar Frachtschiffen kommt einmal im Monat die „Lüneburger Heide“, das knapp 46 Meter lange Passagierschiff der Personenschifffahrt Jürgen Wilcke, in ihr Revier. Jürgen Wilcke und seine Besatzung entführen regelmäßig Schleswig-Holsteiner und ihre Gäste in die benachbarten Bundesländer. „Wir sind mit unserem Schiff in vier Bundesländern unterwegs“, erzählt Birgit Wilcke, die sich an Bord vor allem um das leibliche Wohl der Gäste kümmert. Unterwegs sind sie zu Anlegern in Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen.
An diesem Tag geht es wieder in diese nahezu unberührte Natur der Elbauen. Das Gebiet ist geprägt vom Verlauf der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. Nach dem verschwinden der Grenzanlagen, nur einige ehemalige Grenztürme mahnen an das Stück deutsche Geschichte, hat sich die Natur das Ufer zurückerobert. Weitläufig und grün ist das Ufer der Elbe in diesem Abschnitt. „Im Gegensatz zu anderen Flüssen, beispielsweise dem Rhein, ist die dünne Besiedlung hier unheimlich schön“, schwärmt Jürgen Wilcke von seinem Revier. Den absoluten Erholungseffekt bietet die knapp fünfstündige Fahrt, auf der kaum Häuser zu sehen sind. Lange Zeit waren hier so gut wie keine Fahrgastschiffe unterwegs, zumindest nicht auf dem gesamten Abschnitt zwischen Lauenburg und Hitzacker. Im vergangenen Jahr hat die Familie Wilcke diese Fahrt mit in ihr Programm aufgenommen.
1988 hat sich Jürgen Wilcke, der aus einer Schifffahrtsfamilie stammt, mit dem Neubau der „Lüneburger Heide“ selbstständig gemacht. Zunächst war der Schiffsführer nur mit geschlossenen Gesellschaften unterwegs. Noch heute ist dies der Schwerpunkt seines Angebots. Für Vereinsausflüge und Familienfeiern kann das gemütliche Schiff gebucht werden. Erst seitr einigen Jahren steht das Schiff auch für öffentliche Fahrten zur Verfügung. Der Hamburger Hafen, der Elbe-Lübeck-Kanal, in diesem Jahr die Landesgartenschau in Winsen an der Luhe und eben nun auch die Elbauen sind die Ziele der „Lüneburger Heide“. Dazu kommen Begleitfahrten zur „Queen Mary 2“ oder auch in diesem Jahr eine neue vorweihnachtliche Grünkohlfahrt. Auch als Disco- oder Tanzschiff steht die „Lüneburger Heide“ zur Verfügung. Die Grünkohlfahrt entstand nach der guten Resonanz auf eine Sonderfahrt zur letzten Öffnung der alten Schleuse in Lauenburg. Jährlich bietet der vielseitige Schifffahrtsbetrieb auch eine Fahrt mit einem Shanty-Chor an.
Auf dem Weg zum Anleger in Boizenburg wird die ehemalige Werft passiert.
„Die Nachfrage nach Fahrten hat sich in den letzten Jahren stark verändert“, blickt Jürgen Wilcke zurück. Für ihn und seine Frau heißt das, das Programm stets im Blick zum halten und zu erweitern. „Ursprünglich hatten wir alle Fahrten so angelegt, dass unsere Gäste eine Strecke mit uns und die andere mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahren planen können, es hat sich aber gezeigt, dass die meisten einen ganzen Tag an Bord sind“, erzählt Birgit Wilcke. Diese Tatsache sprach auch für die Fahrt nach Hitzacker, da dort so gut wie keine Anschlußmöglichkeiten zum öffentlichen Personennahverkehr bestehen. Die Passagiere bestätigen, dass auch hier der richtige Riecher bewiesen wurde. Neben Touristen sind auch viele „Lauenburger“ unter den Passagieren. „Wir sind öfter mit diesem Schiff unterwegs und das ist immer richtig schön“, erzählt ein Renter und seine Frau ergänzt, dass man mit der Verpflegung an Bord einfach einen schönen Tag verbringen kann. Die Tour vermittelt nicht den Eindruck einer „Vollgasfahrt“, sondern eher gemächlich schiebt sich das Schiff durch die Wellen der Elbe.
„ Wir haben uns zuerst überlegt, ob jemand wirklich 10 Stunden auf einem Schiff verbringen möchte“, schmunzelt Birgit Wilcke. Das geht in den Elbauen aber ohne Probleme. Entspannt können die Passagiere auf dem Oberdeck die Seele baumeln lassen und Sonne und Landschaft genießen. Der rund einstündige Aufenthalt im gemütlichen Fachwerkstädtchen Hitzacker ist eine schöne Abrundung des Tages. Aber auch ein beeindruckender Beweis von der Kraft der Naturgewalten, wenn die Elbe sich über ihr Flußbett hinausbewegt.
Auf dem Weg nach Hitzacker haben die Passagiere von Jürgen Wilcke schon allerhand wissenswertes erfahren. „Wir wollen die Gäste nicht mit Wissen erschlagen, aber ein wenig erzählen wir schon“, betont er. Da gibt es zum Beispiel das Heim des Deichschäfers oder die ehemalige Werft in Boizenburg. Früher liefen hier stolze Wolga-Schiffe vom Stapel, heute sieht das Gelände eher trostlos aus. Doch die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. „Vorsorglich wird der Deich an der Stelle des Stapellaufs schon einmal verstärkt“, weiß der Kapitän der „Lüneburger Heide“ zu berichten.
Wer etwas mehr überfahren möchte, ist bei Jürgen Wilcke an einer guten Adresse, seine Brückentür steht den Besuchern offen, auch die Kinder können sich Bild von der Arbeit auf der Brücke machen. Es geht eben familiär und nett zu auf der „Lüneburger Heide“. Das ist es wohl auch, was eine Fahrt hier von anderen unterscheidet. Es gibt keine Hektik, keine genervten Worte von der Crew. Selbst als nach dem Ablegen in Hitzacker noch eine atemlose Familie am Anleger auftaucht, für Jürgen Wilcke kein Problem. Geduldig wartet er bis die Fähre, die inzwischen festgemacht hat, wieder abgelegt hat und nimmt seine verspäteten Passagiere auf.
Auf der gut 50 Kilometer langen Fahrt von Lauenburg nach Hitzacker kann man jede Menge Vögel beobachten, neben den zahlreichen Reihern brütet hier inzwischen auch der Seeadler wieder. Auf seinen Fahrten hat Jürgen Wilcke seine Passagieren auch schon Biber zeigen können. Ein Beweis mehr, dass ein Schleswig-Holstein-Urlaub nicht nur an Nord- und Ostsee einlädt.
Und wenn man kurz vor der Rückkehr nach Lauenburg von Natur tief beeindruckt ist, dann macht Birgit Wilcke Appetit auf die anderen Fahrten: „Wenn sie dann mit uns nach Hamburg fahren, bekommen sie ein richtiges Kontrastprogramm!“

4. September 2006, Text/Fotos: Uwe Zeitter
"Königliche Audienz": Lie "Lüneburger Heide" vor "Queen Mary 2" und "Alexander von Humboldt":
Foto: Personenschifffahrt Jürgen Wilcke
 

Kontaktdaten und Termine

Personenschifffahrt Jürgen Wilcke
Deichstraße 23
21380 Artlenburg
Tel.: 04139/6285
Fax.: 04139/695029
E-Mail
www.personenschifffahrt-wilcke.de

Termine für 2007:
Elbe-Lübeck-Kanal am
23. Mai 2007
6. Juni 2007
20. Juni 2007
4. Juli 2007
18. Juli 2007
1. August 2007
15. August 2007
29. August 2007
12. September 2007
26. September 2007
10. Oktober 2007

Hamburger Hafen am
24. Mai 2007
21. Juni 2007
19. Juli 2007
16. August 2007
13. September 2007
11. Oktober 2007

Elbtalaue am
7. Juni 2007
5. Juli 2007
2. August 2007
30. August 2007
27. September 2007

Abfahrt jeweils 9.15 Uhr, Rückkehr: 19.00 Uhr

Hamburger Fischmarkt
20. Mai 2007
24. Juni 2007
22. Juli 2007
19. August 2007
23. September 2007
Abfahrt jeweils 5 Uhr
Rückkehr ca. 13.30 Uhr

Grünkohlfahrt:
1. und 3. Adventssonntag
Abfahrt jeweils 11.00 Uhr
Rückkehr: 14.00 Uhr

(Fahrzeiten beziehn sich auf Lauenburg)
Jürgen Wilcke auf Kurs Hitzacker.

Impressionen

 
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